{"id":743,"date":"2012-04-22T16:07:40","date_gmt":"2012-04-22T15:07:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blicherselskabet.dk\/?page_id=743"},"modified":"2015-09-05T16:35:38","modified_gmt":"2015-09-05T15:35:38","slug":"deutsch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/?page_id=743","title":{"rendered":"Deutsch"},"content":{"rendered":"<h2>Steen Steensen Blicher 1782 &#8211; 1848<\/h2>\n<h3>Die Steen Steensen Blicher-Gesellschaft in D\u00e4nemark siehe <\/h3>\n<p>Das Portr\u00e4t ist im 1845 von William Gertner ausgef\u00fchrt.<br \/>\nMit der Unterschrift von Blicher und seine Geburtsdaten.<br \/>\nDer Himmelberg 12 Novellen von Blicher in deutsche<br \/>\n\u00dcbersetzung von Inger und Walter Methlagl<\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-760\" title=\"himmelberg\" src=\"https:\/\/blicherselskabet.dk\/wp\/wp-content\/uploads\/himmelberg.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"189\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-761\" title=\"blichertrgn_small1\" src=\"https:\/\/blicherselskabet.dk\/wp\/wp-content\/uploads\/blichertrgn_small1.jpg\" alt=\"\" width=\"165\" height=\"185\" \/><\/p>\n<h4>Steen Steensen Blicher &#8211; Lebensdaten:<\/h4>\n<p>1782 Am 11. Oktober geboren in Vium, s\u00fcdlich der j\u00fctl\u00e4ndischen Stadt Viborg, als Sohn des Pastors Niels Blicher und der aus einer angesehenen Familie von Gro\u00dfgrundbesitzern stammenden Christiane Marie, geb. Curz. Seine Kindheit war durch eine schwere Gem\u00fctskrankheit der Mutter getr\u00fcbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1799 Nach dem Besuch der Lateinschule in Randers Beginn des Studiums der Theologie in Kopenhagen. Gleichzeitig widmete Blicher sich auch dem Studium moderner Sprachen, sowie der Geschichte und Literatur D\u00e4nemarks und fremder L\u00e4nder. Intensive Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Hauptstadt, ohne sich letztlich damit identifizieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1807 1807-1809 \u00dcbersetzung der Dichtungen Ossians nach<\/p>\n<p>Macpherson ins D\u00e4nische.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1809 Abschlu\u00df des Studiums mit Auszeichnung und R\u00fcckkehr nach J\u00fctland; Lehrer (Adjunkt) an der Lateinschule in Randers.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1810 Heirat mit der erst siebzehnj\u00e4hrigen Witwe seines Onkels, Ernestine Juliane, geb. Berg, die auch ein bedeutendes Kapital in die Ehe einbringt. Der Verbindung entstammen zehn Kinder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1811 Als P\u00e4chter am Pfarrhof seines Vaters in Randlev landwirtschaftlich t\u00e4tig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1814 Die Sammlung &#8220;Digte&#8221; (&#8220;Gedichte&#8221;) erscheint in zwei Teilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1818 \u00dcbersetzung von Alexander Popes Gedicht &#8220;Abeilard and Heloise&#8221;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1819 Blicher wird Pfarrer in der kleinen Gemeinde Thorning-Lysgaard. Neben der seelsorglichen T\u00e4tigkeit widmet er sich intensiv wissenschaftlichen und praktischen Versuchen in der Landwirtschaft, wie etwa Ma\u00dfnahmen zu effizienterer Schafhaltung, Wechselwirtschaft, Flachsanbau und Torfgewinnung. Auch setzt er sich f\u00fcr gesellschaftliche Reformen ein, etwa f\u00fcr die Abschaffung der Todesstrafe, die Unterbringung gefallener M\u00e4dchen und die Integration von Juden und Zigeunern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1824 In der von A.F. Elmquist in Aarhus herausgegebenen Zeitschrift &#8220;Laesefrugter&#8221; (&#8220;Lesefr\u00fcchte&#8221;) erscheint die erste gro\u00dfe Erz\u00e4hlung &#8220;Brudstykker af en Landsbydegns Dagbog&#8221; (&#8220;Bruchst\u00fccke aus dem Tagebuch eines Dorfk\u00fcsters&#8221;), eine eindringliche Verarbeitung des Marie-Grubbe-Stoffes. Sie markiert Blichers Durchbruch als Prosaschriftsteller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1825 Blicher erh\u00e4lt er die weit bessere Pfarre in Spentrup-Gassum bei Randers zugesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1826 Der Gedichtband &#8220;Sneklokken&#8221; (&#8220;Die Schneeglocke&#8221;) erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>18271827-1829 Gemeinsam mit Jochum Martin Elmenhoff, Buchdrucker und Literat in Randers, gibt Blicher die belletristische Monatsschrift &#8220;Nordlyset&#8221; (&#8220;Das Nordlicht&#8221;) heraus. Darin erscheinen neben Original-Erz\u00e4hlungen anderer Autoren und zahlreichen \u00dcbersetzungen in dichter Folge Erz\u00e4hlungen, die Blicher bis zum heutigen Tag zum bedeutendsten Novellenautor jener Epoche machen: z.B. &#8220;R\u00f8verstuen&#8221; (&#8220;Die R\u00e4uberstube&#8221;, 1827), &#8220;Sildig Opvaagnen&#8221; (&#8220;Sp\u00e4tes Erwachen&#8221;, 1828), &#8220;Hosekraemmeren&#8221; (&#8220;Der Strumpfkr\u00e4mer&#8221;, 1829), &#8220;Praesten i Vejlbye&#8221; (&#8220;Der Pfarrer von Vejlbye&#8221;, 1829), &#8220;Kjeltringliv&#8221; (&#8220;Keltringleben&#8221; 1829). Die Themen und Motive zu seinen Erz\u00e4hlungen nimmt Blicher zum Teil aus seinem unmittelbaren Lebensumkreis: der Heide, die er als J\u00e4ger oft tagelang durchstreift, der verstreut liegenden Gutsh\u00f6fe und Schl\u00f6sser und H\u00fctten der Bauern und Kleingewerbler. Immer wieder erz\u00e4hlt er aus der Vergangenheit des Landes, aber auch aus der Geschichte anderer L\u00e4nder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1833 In vier B\u00e4nden erscheinen von Blicher &#8220;Samlede Noveller&#8221; (&#8220;Gesammelte Novellen&#8221;), darunter neben den schon Genannten auch &#8220;Himmelbjerget&#8221; (&#8220;Der Himmelberg&#8221;, 1833) und &#8220;Ak! Hvor forandret! &#8221; (&#8220;Ach! Wie ver\u00e4ndert!&#8221;, 1833). Ein f\u00fcnfter Band mit der Erz\u00e4hlung &#8220;Marie&#8221; und dem Roman &#8220;Fjorten Dage i Jylland&#8221; (&#8220;Vierzehn Tage in J\u00fctland&#8221;) folgt 1836.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1836 F\u00fcnfw\u00f6chige Sommerreise nach Schweden (Malm\u00f6, G\u00f6teborg, \u00d6rebro, Stockholm) gemeinsam mit dem Literaturprofessor, Sprach- und Geschichtsforscher Christian Molbech. (Vgl. die Sammlung &#8220;Svithjod&#8221; mit zwanzig Gedichten zu St\u00e4tten, die er besucht hat.). Ein anschlie\u00dfender Versuch, die &#8220;nahe verwandten&#8221; Nationen Norwegen, D\u00e4nemark und Schweden in einem j\u00e4hrlich erscheinenden &#8220;Poetischen Unionskalender&#8221; geistig und politisch zu vereinen, schl\u00e4gt fehl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1837 Blicher gibt seine schon 1827 in &#8220;Nordlyset&#8221; ver\u00f6ffentlichte \u00dcbersetzung von Oliver Goldsmiths Roman &#8220;The Vikar of Wakefield&#8221; in Buchform heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1838 Blichers heute bekanntestes Gedichtwerk erscheint: die Sammlung &#8220;Traekfuglene. En Naturconcert&#8221; (&#8220;Die Zugv\u00f6gel. Ein Naturkonzert&#8221;).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1839 Von Blicher angeregt, findet das erste von insgesamt f\u00fcnf volkst\u00fcmlichen &#8220;Himmelberg-Treffen&#8221; statt. D\u00e4nisches Nationalbewu\u00dftsein und nordisches Einheitsgef\u00fchl soll durch Reden, Gedichte, Lieder, Spiele, sowie Belebung des Brauchtums gefestigt und gesteigert werden. &#8211; Die Erz\u00e4hlung &#8220;Skytten paa Aunsbjerg&#8221; (&#8220;Der Sch\u00fctze auf Aunsbjerg&#8221;) erscheint in dem Band &#8220;Kornmodn&#8221; (&#8220;Das Wetterleuchten&#8221;).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1839Die Erz\u00e4hlung &#8220;De tre Helligaftener&#8221; (&#8220;Die drei Heiligen Abende&#8221;) erscheint im &#8220;Dansk Folkekalender for 1841&#8221; (&#8220;D\u00e4nischen Volkskalender f\u00fcr 184l&#8221;).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1842 Von August bis Dezember h\u00e4lt Blicher sich in Kopenhagen auf. In dieser Zeit erscheinen in einem Band &#8220;Nye Noveller&#8221; (&#8220;Neue Novellen&#8221;) Blichers wichtigstes Erz\u00e4hlwerk in j\u00fctl\u00e4ndischer Mundart (&#8220;E Bindstouw&#8221;, &#8220;Eine Strickstube&#8221;) und die ersten seiner insgesamt sechs Bildergeschichten (&#8220;Hannibal&#8221;, &#8220;Erik Hakonson&#8221;).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1846 Ver\u00f6ffentlichung der &#8220;Erindringer af Steen Steensen Blichers Liv, optegnet af ham selv&#8221; (\u201eErinnerungen aus Steen Steensen Blichers Leben, aufgezeichnet von ihm selbst.&#8221;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1848 Nach Jahren der Entt\u00e4uschung ob erfahrener Dem\u00fctigungen und voll Sorgen um das k\u00fcnftige Wohl seiner Familie stirbt Blicher am 26. M\u00e4rz in Spentrup.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Steen Steensen Blicher: Kurze Einf\u00fchrung in sein Leben und Werk<\/h3>\n<p><a href=\"#Goldenen_Zeitalter\">Goldenen Zeitalter<\/a><br \/>\n<a href=\"#Kindheit_und_Jugend\">Kindheit und Jugend<\/a><br \/>\n<a href=\"#Adjunkt\">Adjunkt und P\u00e4chter <\/a><br \/>\n<a href=\"#Pfarre\">Pfarrer in J\u00fctland<\/a><br \/>\n<a href=\"#Blichers_Quellen\">Blichers Quellen<\/a><br \/>\n<a href=\"#Der_unsichtbare_Durchbruch\">nsichtbare Durchbruch<\/a><br \/>\n<a href=\"#Jagt-_und_Reiseleben\">Jagt- und Reiseleben<\/a><br \/>\n<a href=\"#Blicher_und_die_Gesellschaft\">Blicher und die Gesellschaft<\/a><br \/>\n<a href=\"#Der_Himmelberg\">Der Himmelberg<\/a><br \/>\n<a href=\"#novellen\">Die Novellen<\/a><br \/>\n<a href=\"#Alltagsleben\">Alltagsleben<\/a><br \/>\n<a href=\"#Was_gab_er\">Was gab er uns<\/a><\/p>\n<h4 id=\"#Goldenen_Zeitalter\">Goldenen Zeitalter<\/h4>\n<p><i>\u00dbbersetzung : Inger und Walter Methlagl<\/i><br \/>\nDer d\u00e4nische Dichter Steen Steensen Blicher lebte von 1782 bis 1848. Seine Lebenszeit f\u00e4llt in eine Periode, die man sp\u00e4ter das \u201eGoldene Zeitalter D\u00e4nemarks\u201c taufte. Die Erkl\u00e4rung war einfach: \u201eGoldenes Zeitalter\u201c &#8211; das Wort zielte insbesondere auf die umfassende und herausragende Literatur, bildende Kunst und Musik, die am Beginn des 19. Jahrhunderts von d\u00e4nischen K\u00fcnstlern unter dem Eindruck der europ\u00e4ischen Romantik geschaffen wurde. Gleichzeitig mit dieser Periode war es, dass D\u00e4nemark seine gr\u00f6\u00dfte politische Umw\u00e4lzung erlebte: die Aufhebung des Absolutismus und die Einf\u00fchrung des Grundgesetzes von 1849. Blicher wurde zu einem der bekanntesten Erz\u00e4hler dieser Zeit, seine Popularit\u00e4t beim lesenden Publikum hat seither niemals nachgelassen. Die bekanntesten seiner Novellen werden immer wieder herausgegeben.<\/p>\n<p>S\u00fcdlich der d\u00e4nischen Grenze lag das gro\u00dfe Deutschland, ganz bestimmt noch zersplittert in einen gro\u00dfen und in eine Reihe kleiner Staaten, gleichzeitig aber ein Land, dessen Kultur als Inspiration \u00fcber die d\u00e4nische Grenze in hohem Ma\u00df hereinstr\u00f6mte, nach 1830 allerdings auch als eine Bedrohung, nicht zuletzt f\u00fcr die D\u00e4nen in den Herzogt\u00fcmern Schleswig und Holstein.<\/p>\n<p>Dieses gro\u00dfe Nachbarland machte fr\u00fchzeitig mit Blicher Bekanntschaft, wie es das auch mit Holberg, Oehlenschl\u00e4ger, Baggesen und anderen getan hatte. Bereits im Jahre 1826 liegen, in L\u00fcbeck herausgegeben, die ersten \u00dcbersetzungen vor.<\/p>\n<h4 id=\"Kindheit_und_Jugend\">Kindheit und Jugend<\/h4>\n<p>Vom oben erw\u00e4hnten \u201eGoldenen Zeitalter\u201c, dessen Teil es werden sollte, wusste das Kind Steen Blicher gar nichts; aus guten Gr\u00fcnden: Sein Vater, Niels Blicher, war Pfarrer in einer armen j\u00fctl\u00e4ndischen Landgemeinde, Vium, ein paar Meilen s\u00fcdlich von Viborg. Er geh\u00f6rte zu den \u201emodernen\u201c Pfarrern, die, gepr\u00e4gt vom Geist der Aufkl\u00e4rung, f\u00fcr ihre Gemeindeangeh\u00f6rigen, zum Teil nach k\u00f6niglichem Dekret, viel Arbeit leisteten. In dieser Gemeinde wurde Steen am 11. Oktober 1782 geboren. Getauft wurde er nach Steen de Steensen, Gutsherr auf dem nahe gelegenen Ansitz Aunsbjerg, einem nahen Verwandten der Mutter, Kirstine Marie Curtz. Steen, der ein Leben lang zu seinem Vater eine enge Beziehung hatte und dessen Bildungsideale weitgehend \u00fcbernahm, wurde zeitweise auf diesem Gut untergebracht. Seine Erlebnisse im Herrenhofmilieu beschrieb er selbst auf lebendige Art, unter anderem in den Novellen Skytten p\u00e5 Aunsbjerg (Der Sch\u00fctze auf Aunsbjerg), R\u00f8verstuen (Die R\u00e4uberstube) und Enestebarn (Das Einzelkind). Wenn er von daheim weggeschickt wurde, so geschah dies wegen der Krankheit der Mutter; heute w\u00fcrden wir sie wohl ein psychisches Leiden nennen, sofern wir der Beschreibung folgen wollen, die Niels Blicher davon gegeben hat.<\/p>\n<p>Zwei gro\u00dfe Begebenheiten fanden in Blichers Kindheitsjahren statt; zu ihnen sollte er oft zur\u00fcckkehren: die Franz\u00f6sische Revolution von 1789 und die Aufhebung der Leibeigenschaft 1788, die den unaufgekl\u00e4rten d\u00e4nischen Bauernstand jahrhunderte lang gebunden hatte.<\/p>\n<p>1795 \u00fcbersiedelte die Familie in die wohlhabende Pfarrei von Randlev, s\u00fcdlich von Aarhus. Im Jahr darauf begann Steen in Randers die Lateinschule. Von seinem Vater war er vielfach darauf vorbereitet, in die Welt hinaus zu ziehen. Er las viel, war aber auch imstande, die Freuden der Jagd und der Natur zu genie\u00dfen. Vier Jahre danach, 1799, konnte er die &#8220;Artium&#8221;-Pr\u00fcfung in Kopenhagen mit einem sehr zufrieden stellenden Resultat ablegen.<\/p>\n<p>Er lie\u00df sich in die Kopenhagner Universit\u00e4t einschreiben; sein cand. theol.-Studium, das normalerweise nach drei Jahren abgeschlossen sein sollte, zog sich bis 1809 hinaus; dann endlich wurde er fertig. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Verz\u00f6gerung lagen teils in einer l\u00e4ngeren Krankheitsperiode im Jahre 1801, in der er, um wieder zu Gesundheit zu kommen, als Hauslehrer auf der Insel Falster Aufenthalt suchen musste; teils waren es die ernsten Zust\u00e4nde w\u00e4hrend der napoleonischen Kriege, als D\u00e4nemark sich gegen England im Krieg befand, von 1807 an auch gegen Schweden.<\/p>\n<p>Zu seinen Kriegserlebnissen geh\u00f6rte 1801 die aus d\u00e4nischer Sicht ber\u00fchmte Schlacht bei Rheden gegen die englische Flotte unter Lord Nelson. 1807, w\u00e4hrend der Bombardierung der Stadt durch die Engl\u00e4nder, nahm er selbst als Freiwilliger im Kopenhagner Studentenkorps an der Verteidigung von Kopenhagen teil.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seines Aufenthaltes auf Falster als Hauslehrer von 1801 bis 1803 bekam er Ossians Gedichte des schottischen Dichters Macpherson zum Geschenk. Er war davon begeistert und beschloss, sie ins D\u00e4nische zu \u00fcbertragen. Dies wurde, gleichzeitig mit dem Theologiestudium, eine seiner wichtigsten Besch\u00e4ftigungen (in deren Verlauf er auch gen\u00f6tigt war, Englisch zu lernen). Der Erste Band kam 1807 heraus, der Zweite 1809.<\/p>\n<p>Die Wirkung Ossians setzte sich bei Blicher das ganze Leben hindurch fort; ein Studium seiner Lyrik und Prosa wird jeden davon \u00fcberzeugen, wie wenig Abstand in Blichers Empfinden zwischen dem schottischen Hochland und den j\u00fctl\u00e4ndischen H\u00f6henr\u00fccken lag, in denen er selbst geboren war.<\/p>\n<h4 id=\"Adjunkt\">Adjunkt und P\u00e4chter<\/h4>\n<p>Nach dem Abschlu\u00df des Examens war kein Priesteramt in Aussicht, vielleicht wollte er auch nicht um eines ansuchen; statt dessen wurde er 1810 Adjunkt, also Hilfslehrer an seiner ehemaligen Schule in Randers \u2013 und kurz danach heiratete er die siebzehnj\u00e4hrige Ernestine Berg, Witwe nach seinem wohlhabenden Onkel Peder Daniel Blicher; sie wohnte nach dem Tod ihres Mannes noch immer im Pfarrhof von Spentrup, gleich au\u00dferhalb Randers.<\/p>\n<p>Das stille Schulleben als Adjunkt war nichts f\u00fcr Blicher; aufgrund von Vers\u00e4umnissen war er gezwungen, sein neues Amt niederzulegen und den Abschied zu nehmen. Er kehrte danach mit der Familie zur\u00fcck zu seinem Vater in Randlev; dort wurde er P\u00e4chter auf den zum Pfarrhof geh\u00f6rigen L\u00e4ndereien.<\/p>\n<p>Hier in Randlev gediehen seine Gedanken, Dichter zu werden, zur Reife, w\u00e4hrend er sich gleichzeitig, zusammen mit seinem Vater, gemeinn\u00fctziger Arbeit widmete. Unter anderem schrieb er landwirtschaftliche Fach-Artikel, in zwei Schriften verteidigte er die d\u00e4nischen Juden, die Verfolgungen ausgesetzt waren. Selbst verlor er das gro\u00dfe Verm\u00f6gen, \u00fcber das er seit seiner Heirat verf\u00fcgt hatte. Dies geschah nicht allein, weil er ein schlechter \u00d6konom war; zu einem guten Teil raubte ihm auch der d\u00e4nische Staatsbankrott von 1813 dieses Verm\u00f6gen, eine Begebenheit, die in den kommenden Jahren f\u00fcr die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse der Familie gro\u00dfe Bedeutung erlangte. In dieser Hinsicht teilte er das Schicksal mit allen anderen D\u00e4nen.<\/p>\n<p>Aber die poetische Ader konnte und wollte er nicht unterdr\u00fccken; 1814 und 1817 gab er Digte (Gedichte) I und II heraus. In vielen dieser ersten Gedichte \u00e4u\u00dfert sich deutlich die Inspiration durch Ossian und dessen schottische Sagenwelt.<\/p>\n<h4 id=\"Pfarre\">Pfarrer in J\u00fctland<\/h4>\n<p>Im absolutistischen D\u00e4nemark, wo K\u00f6nig Frederik VI. uneingeschr\u00e4nkt regierte und an jeder Angelegenheit pers\u00f6nlich teilnahm, war es f\u00fcr Blicher nicht leicht, ein Priesteramt zu bekommen, da er ja seine Adjunktstelle in Randers 1811 zur Unzeit aufgesagt hatte. Mit Hilfe eines guten Freundes gl\u00fcckte es dennoch, dass ihm 1819 eine arme Pfarrei im Land seiner Kindheit, in Thorning\/Lysgaard, s\u00fcdlich von Viborg, zugesprochen wurde. Mit gro\u00dfer Begeisterung ging er die neue Arbeit an, doch wuchsen mit der Gr\u00f6\u00dfe seiner Kinderschar seine pekuni\u00e4ren Sorgen. Innerhalb von 17 Jahren gebar ihm Ernestine zehn Kinder.<\/p>\n<p>Sein erster Verleger war A.F. Elmquist (auch Herausgeber der Aarhus Stiftstidende (Aarhuser Stiftszeitung); gleichzeitig kam er mit Literaturzeitschriften in Kopenhagen in Verbindung, die Gedichte von ihm druckten. In Thorning besch\u00e4ftigte er sich weiterhin mit praktischen landwirtschaftlichen Vorhaben und erregte damit die Aufmerksamkeit der Ministerien Frederiks VI. Es handelte sich um eine Reihe Abhandlungen \u00fcber Forstwirtschaft, \u00fcber die Trockenlegung von Moorgebieten, \u00fcber Strumpfstrickerei (und den Export, u. a. nach Deutschland), \u00fcber die &#8220;Tataren&#8221; (oder &#8220;Keltringe&#8221;, d.i. Zigeuner), und wie etwa das Problem von deren Herumstreiferei zu l\u00f6sen w\u00e4re.<\/p>\n<p>In der Tat brachten ihn diese Abhandlungen in ein so gutes Verh\u00e4ltnis zum K\u00f6nig, dass er 1825 ein besseres Amt in Spentrup bei Randers antreten konnte. Die mittelj\u00fctl\u00e4ndische Heidegegend verlie\u00df er dennoch in Trauer, war und blieb diese f\u00fcr ihn doch auch in der neuen Welt, in die er jetzt, mit 42 Jahren, eintrat, eine gro\u00dfe Quelle der Inspiration und Imagination.<\/p>\n<p>Um mehr zu verdienen als nur zum Essen, und um \u201edie Kinder in Holzschuh und Wollwams einkleiden zu k\u00f6nnen\u201c, wie er an seinen Freund, den Dichter Ingemann schrieb, hatte er auf Elmquists Aufforderung begonnen, in dessen volkst\u00fcmlicher Zeitschrift L\u00e6sefrugter p\u00e5 Litteraturens Mark (Lesefr\u00fcchte auf dem Feld der Literatur), die in Aarhus herauskam, zu schreiben. Allm\u00e4hlich nahm er Abschied von der Lyrik, die er in einem Gedicht als \u201emeine erste Geliebte\u201c bezeichnet. Er war sich dar\u00fcber klar geworden: nicht Gedichte seien es, die er schreiben sollte, sondern Geschichten oder Novellen (die mehr f\u00fcllten im Umfang und damit auch in der Geldtasche).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Blichers_Quellen\">Blichers Quellen<\/h4>\n<p>Obwohl Blicher bald 42 Jahre alt war, bevor er als Novellenautor debutierte, m\u00fcssen wir doch verstehen, dass er sich in dieser Hantierung lange ge\u00fcbt hatte. Er hatte sich eine umfassende Kenntnis der europ\u00e4ischen Literatur erworben, darunter die des deutschen Romans und der deutschen Novelle, und er hatte \u00fcberhaupt alle bedeutenden europ\u00e4ischen Schriftsteller gelesen, insbesondere die englischen: Shakespeare, Sterne, Milton, Fielding, Goldsmith, und deutsche wie Goethe und Schiller, um die bekanntesten zu nennen. Dazu kamen vielgelesene Trivial-Autoren wie etwa Joh. M. Miller mit seinem Roman Siegwart, eine Klostergeschichte, und auch solche, die oft in d\u00e4nischer \u00dcbersetzung in periodischen Zeitschriften herausgegeben wurden.<\/p>\n<p>Zudem hatte Blicher ein gro\u00dfes Interesse an griechischer Philosophie und an den modernen englischen und deutschen Philosophen, ohne dass er freilich f\u00fcr das Wirken der Letztgenannten besonders gro\u00dfe Begeisterung \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Der_unsichtbare_Durchbruch\">Der unsichtbare Durchbruch und was darauf folgte<\/h4>\n<p>Ein R\u00fcckblick auf die Jahre 1824-25 zeigt in D\u00e4nemark insgesamt einen Durchbruch f\u00fcr die Prosa auf Kosten der Lyrik; Erz\u00e4hlungen, insbesondere Novellen, sollten fortan die bevorzugte literarische Kunstform bleiben.<\/p>\n<p>In der M\u00e4rznummer der L\u00e6sefrugter 1824 konnte man Blichers erste originale Novelle lesen: Brudstykker af en Landsbydegns Dagbog (Bruchst\u00fccke aus dem Tagebuch eines Dorfk\u00fcsters), eine Neuheit in der d\u00e4nischen Literatur, wor\u00fcber allerdings er selbst und andere sich erst viel sp\u00e4ter klar werden sollten. Dieses &#8220;Wunder in der d\u00e4nischen Literatur&#8221;, wie man es auch genannt hat, wurde ohne den Namen des Verfassers herausgegeben; aber es ist dazu notiert, das Tagebuch (eine Ich-Erz\u00e4hlung) sei &#8220;gefunden, gesammelt und herausgegeben von Steen Blicher, Gemeindepfarrer in Thorning&#8221;. Unter &#8220;diesem Wunder&#8221; ist auch zu verstehen, dass das erste Prosawerk Blichers als eines seiner besten angesehen wird.<\/p>\n<p>L\u00e6sefrugter \u2013 der Name kommt aus dem deutschen: Lesefr\u00fcchte \u2013 war nicht ein Blatt, das von Blichers literarischen Kollegen gelesen wurde; deshalb kann man von einem unsichtbaren Durchbruch sprechen. Die Kopenhagner Leserschaft ( &#8211; sie war es, mit der man damals wie heute rechnete &#8211; ) wurde mit Blichers Debutnovelle erst 1833 bekannt gemacht in Verbindung mit der Herausgabe seiner Samlede Noveller (Gesammelten Novellen). L\u00e6sefrugter war eine Zeitschrift, die haupts\u00e4chlich \u00dcbersetzungen brachte, namentlich aus dem Deutschen, und nur zwischenhinein auch einzelne Gedichte und Novellen im d\u00e4nischen Original.<\/p>\n<p>Von 1827 an gab Blicher, der nun in Spentrup gleich au\u00dferhalb Randers lebte, gemeinsam mit dem Redakteur von Randers Avis (Randers-Zeitung), J.M Elmenhoff, und in Konkurrenz zu den L\u00e6sefrugter in Aarhus seine eigene Zeitschrift heraus: Nordlyset (Das Nordlicht). In dieser Zeitschrift, die \u00fcber drei Jahrg\u00e4nge hin in zw\u00f6lf Heften erschien, ver\u00f6ffentlichte er eine Reihe jener Meisternovellen, die ihm den Ruf des gr\u00f6\u00dften Novellenautors D\u00e4nemarks einbrachten. Es handelt sich um Pr\u00e6sten i Vejlbye (Der Pfarrer von Vejlbye), Hosekr\u00e6mmeren (Der Strumpfkr\u00e4mer), R\u00f8verstuen (Die R\u00e4uberstube), Sildig Opvaagnen (Sp\u00e4tes Erwachen) und Kj\u00e6ltringliv (Keltringleben), um nur ganz wenige zu nennen. Auch seine \u00dcbertragung von Oliver Goldsmiths The Vicar of Wakefield (Pr\u00e6sten i Wakefield \u2013 Der Pfarrer von Wakefield) wurde hier gedruckt.<\/p>\n<p>In den Jahren 1832 bis 1836 gab Blicher die Jagdzeitschrift Diana heraus. Von 1833 bis 1836 wurden in Kopenhagen seine Samlede Noveller in f\u00fcnf B\u00e4nden und auch seine Samlede Digte (Gesammelten Gedichte) in zwei B\u00e4nden herausgegeben. Angespornt von diesen publizistischen Erfolgen schrieb er eine betr\u00e4chtliche Zahl neuer Novellen. Diese Produktion setzte sich bis fast zu seinem Tod fort (die letzte Novelle von seiner Hand erschien 1847). In den kommenden Jahren wurde er in vielen Zeitschriften besprochen und dadurch als Verfasser bekannt, ohne jedoch in den Kopenhagener literarischen Zirkeln je richtig willkommen gehei\u00dfen zu werden. Eine boshafte Besprechung, die 1835 vom klassischen Philologen und Literaturkritiker Nicolai Madvig ver\u00f6ffentlicht wurde, soll Blicher viele Jahre lang geschadet haben. Madvig war \u00fcber einige Episoden in den Novellen, z. B. in Sp\u00e4tes Erwachen, aufgebracht, da sie seiner Meinung nach den klassisch gebildeten Leser sicher zuwider sein mussten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Jagt-_und_Reiseleben\">Jagt- und Reiseleben<\/h4>\n<p>1836 machte Blicher seine einzige Auslandsreise &#8211; nach Schweden. Nachdem er, 1837, w\u00e4hrend eines krankheitsbedingten Stillstands zur lyrischen Poesie zur\u00fcckgekehrt war, konnte er 1838 seine bekannteste Gedichtsammlung aussenden: Tr\u00e6kfuglene (Die Zugv\u00f6gel). Nach der Heilung brach er zu einer Reise auf, die ihn von Altona (Hamburg) im S\u00fcden nach Skagen im Norden f\u00fchrte, also vom s\u00fcdlichsten Punkt des K\u00f6nigreichs zu seinem n\u00f6rdlichsten. Diese Reise beschrieb er in dem Buch Vestlig Profil af den cimbriske Halv\u00f8 (Westliches Profil der cimbrischen Halbinsel), das 1839 herauskam. Von 1838 an schrieb er in der neuen Zeitung Jyllandsposten (Die j\u00fctl\u00e4ndische Post) eine Anzahl von Artikeln \u00fcber gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse und arrangierte damit \u2013 zuerst allein, sp\u00e4ter zusammen mit anderen \u2013 die ersten d\u00e4nischen Volksfeste, die von 1839 bis 1844 auf dem Himmelberg stattfanden. In dieser Periode nach 1838 gelingt es ihm, noch 40 Novellen herauszugeben, kulminierend in E Bindstouw (Eine Strickstube, 1842) \u2013 geschrieben in j\u00fctl\u00e4ndischem Dialekt. Nach einer Reihe von Entt\u00e4uschungen (verabschiedet als Pfarrer 1847) und einer l\u00e4ngeren Zeit der Krankheit starb er im Alter von 66 Jahren im Pfarrhof von Spentrup, eben in den Tagen, als der erste Schleswigsche Krieg ausbrach. Der Krieg, von dem er so sehr gewarnt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Blicher_und_die_Gesellschaft\">Blicher und die Gesellschaft<\/h4>\n<p>Solange K\u00f6nig Frederik VI. lebte, war Blicher sein gro\u00dfer Bewunderer; 1828, als D\u00e4nemark wieder im Begriffe war, sich zu erholen, schrieb er in der kleinen Schrift Danmarks nuv\u00e6rende Tilstand (D\u00e4nemarks derzeitiger Zustand) engagiert \u00fcber die politische Situation nach den napoleonischen Kriegen. Diese K\u00f6nigsanbetung schuf ihm Feinde in den neuen liberalen Kreisen, die unter dem Eindruck der Entwicklung in Frankreich nach 1830 im Wachsen begriffen waren. Um der Unzufriedenheit dieser Kreise zu begegnen, schuf der K\u00f6nig eine neue Institution, die vier ratgebenden St\u00e4ndeversammlungen, eine f\u00fcr Seeland und die Inseln in Roskilde, eine f\u00fcr Nordj\u00fctland in Viborg, eine f\u00fcr S\u00fcdj\u00fctland in Schleswig und eine f\u00fcr Holstein in Itzehoe. Dass Blicher in diese ratgebende Gesellschaft nicht berufen wurde, entt\u00e4uschte ihn tief. Nach seiner Reise nach Schweden 1836 n\u00e4herte er sich langsam den Liberalen an, bewahrte jedoch noch immer den Glauben an eine Verwaltung, bei der Volk und K\u00f6nig zusammenarbeiten sollten.<\/p>\n<h4 id=\"Der_Himmelberg\">Der Himmelberg<\/h4>\n<p>Nach dem Tod Frederiks VI. 1839 \u00e4nderte Blicher seine Haltung mehr und mehr in liberaler Richtung. Bei den j\u00e4hrlichen Volksfesten auf dem Himmelberg, die Blichers Erfindung waren, suchte er unter den schwierigen Bedingungen des Absolutismus vorsichtig eine Diskussion zu er\u00f6ffnen: unter anderem \u00fcber St\u00e4ndeversammlungen, \u00fcber allgemeine Wehrpflicht, \u00fcber Sprach- und andere Probleme in den Herzogt\u00fcmern; eine offenere Diskussion \u00fcber die d\u00e4nischen Regierungsformen lie\u00df sich nur schwer durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"novellen\">Die_Novellen<\/h4>\n<p>F\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Analyse von Blichers Novellen ist hier nicht der Ort.; nur einige Hauptlinien sollen hervorgehoben werden.<\/p>\n<p>Bis zu einem gewissen Grad setzte seine Prosa bei seiner Lyrik an, bei den Gedichten und Liedern, von denen viele in D\u00e4nemark noch immer im Umlauf sind (siehe die d\u00e4nischen Gesangsb\u00fccher). Nicht zuletzt wird seine bekannteste Gedichtsammlung Tr\u00e6kfuglene \u2013 En Naturkoncert (Die Zugv\u00f6gel \u2013 ein Naturkonzert) immer wieder gedruckt, oft mit Holzschnitten und Zeichnungen der bekanntesten Illustratoren D\u00e4nemarks.<\/p>\n<p>Vielleicht schon ge\u00fcbt durch \u00dcbersetzungsarbeit, setzte Blicher den in den L\u00e6sefrugter- Novellen vorgefundenen Stil und deren gemischtem Inhalt von R\u00e4uber- und Liebesgeschichten fort. Aber er verbesserte das Genre auf eine neue Art: er konnte sich ja mit der Vorlage herumschlagen, wie er wollte, er konnte experimentieren und sie eben damit zu seinem eigenen Niveau erheben. Auch hier stand er unter dem Einfluss der englischen Literatur, ein Interesse, das eben auf die Ossian-\u00dcbersetzung folgte. Er war ein gro\u00dfer Bewunderer von Shakespeare, sp\u00e4ter wurde er ein gro\u00dfer Bewunderer von Walter Scott, dessen Stil er jedoch in keiner Weise kopierte. Dazu kam eine betr\u00e4chtliche (vielleicht etwas oberfl\u00e4chliche) Kenntnis der europ\u00e4ischen Hauptsprachen und ein gro\u00dfes historisches und philosophisches Wissen. Insgesamt ein Wissen, das sich in seinen Novellen, aber auch in der st\u00e4ndig anwachsenden Menge anderweitiger Prosa ausm\u00fcnzen sollte.<\/p>\n<p>Die Handlungen seiner Novellen lie\u00df Blicher \u00fcber einen weiten Umkreis ausgreifen: ausgehend von einem Zentrum in seinem geliebten Mittelj\u00fctland, den gro\u00dfen, \u00f6den Erstreckungen von Heide, Moor und Wiese, hin zu Novellen mit Ausgangspunkt im Leben einer kleineren Provinzstadt und bis hin zur Lebensweise in den Hauptst\u00e4dten; doch breiten sich die Handlungen auch ins Nachbarland Deutschland aus. Selbst s\u00fcdliche Himmelsstriche, etwa Italien und Frankreich, tauchen in seinen Novellen h\u00e4ufig auf. Hier nahm er mehrfach die Franz\u00f6sische Revolution zum Ausgangspunkt und f\u00fchrte die Handlung von S\u00fcd nach Nord und umgekehrt.<\/p>\n<p>Ansonsten sind jedoch die Novellen stark unter dem Einfluss dessen geschrieben, was \u201edas Schicksal\u201c oder das Unvorhergesehene f\u00fcr den Menschen bedeutet. Dabei schuf Blicher etliche Novellen, die eine ziemlich phantasievolle Handlung in schlichter Analyse entschleiern, wobei aber der Dichter einen Handlungsablauf, der sich vielleicht \u00fcber Jahre, vielleicht auch \u00fcber kurze Zeit erstreckt, mit seiner meisterlichen Feder oftmals in einer genial verdichteten Form zu beschreiben vermag. In jedem Fall wird die Handlung wahrscheinlich gemacht. Vor allem anderen legt Blicher Wert darauf, dass eine Handlung, damit man sie akzeptieren kann, wahr ist. Oft w\u00e4hlt er die Form eines Tagebuchs mit einem Ich-Erz\u00e4hler und, als etwas ganz Nat\u00fcrliches, mit Ausgangspunkt in der Zeit, in der er lebt; immer ist eine Liebesgeschichte eingebaut.<\/p>\n<p>Blichers Stil umfasst also eine Reihe Grundmotive, die er mischt. Das Schicksalsmotiv ist oft wichtig in Kombination mit der Fremdheit der Personen in der umgebenden Gesellschaft. Dazu kommt das Dreiecks-Drama mit erotischen Untert\u00f6nen, woraus Eifersucht entsteht und das durch sie verursachte Ungl\u00fcck. Wesentlich als Motiv ist das Aufbegehren der Frau zusammen mit dem zur\u00fcckgewandten Motiv des \u201eAch wie ver\u00e4ndert\u201c, das ja einer Novelle den Namen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Alltagsleben\">Alltagsleben<\/h4>\n<p>Im d\u00e4nischen Bereich ist unglaublich viel \u00fcber Blichers t\u00e4gliches Leben mit zehn Kindern und Frau Ernestine geschrieben worden, ohne dass wir eigentlich sehr viel davon wissen. \u00dcber die pekuni\u00e4ren Sorgen hat er selbst in seinen Briefen an Freunde und Bekannte weit und breit berichtet. Das t\u00e4gliche Leben war f\u00fcr den Dichter nicht immer erf\u00fcllend, er war kein guter \u00d6konom, vielleicht auch zu freigiebig, wenn er Geld hatte. Solche Briefe waren vielleicht der Grund daf\u00fcr, dass sich Bekanntschaften l\u00f6sten, weil Blichers briefliche Kontaktnahmen besonders in seinen \u00e4lteren Tagen, oftmals mit Anfragen wegen Geldhilfe endeten. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass er sich auf diese Art einfach die Sorgen &#8220;von der Seele schrieb&#8221;. Jedenfalls bekam seine Phantasie in der Novellenproduktion freien Lauf, und vielleicht waren die Musik, die Natur, die Jagd und die Ausfl\u00fcge, die er allein oder mit dem einen oder andern guten Bekannten machte, f\u00fcr den Dichter der Ausweg aus diesem bedr\u00e4ngten Zustand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4 id=\"Was_gab_er\">Was gab er uns, und was gibt er uns?<\/h4>\n<p>\u00dcber ihn, der sp\u00e4t zu schreiben begann, wird gesagt, er habe sich rechtzeitig einen guten Teil an Lebensphilosophie erworben, die ihn instand setzte, eigene Probleme und die anderer zu verstehen und zu schildern. Eine ewige Wanderung zwischen Leben und Tod, Gegenwart und Vorzeit oder dem Jetzt und der Ewigkeit. Man kann sagen, dass sich in ihm zwei Grundt\u00f6ne ausformen, ein heller und ein dunkler, verbunden mit einem hoffenden und einem erinnernden, einem ruhig betrachtenden und einem wehm\u00fctig verstehenden. Von diesen ausgehend spielt er die ganze Tonleiter durch. Schnell schuf er sich ein Alter Ego im \u201eVetter Peer Spillemand\u201c, der oftmals f\u00fcr die mehr unterhaltenden Geschichten gerade stehen musste. Mit etwas gutem Willen kann er tats\u00e4chlich als Blichers anderes Ich angesehen werden. Aber als welches Ich? Auf jeden Fall wurde er f\u00fcr den Pfarrer von Spentrup zu einem Ventil. Die Zusammenarbeit oder das Zusammenleben zwischen den beiden Vettern, das sich da vor uns entrollt, kennt man sonst in der d\u00e4nischen Literatur nur wenig. (Siehe z.B. Poul Martin M\u00f8ller: En dansk Students Eventyr (Abenteuer eines d\u00e4nischen Studenten).<\/p>\n<p>Die Nachwelt hat Blicher gr\u00fcndlich analysiert, doch gilt wohl weiterhin, dass Blicher nie besser ist, als wenn wir ihn zum ersten Mal erleben.<\/p>\n<p>Er vermochte J\u00fctland mit seinen dunkeln und hellen Landschaften darzustellen und mit seinen Bewohnern; er beschrieb die Jagd und ihre Freuden; er hat die Liebe in allen ihren Aspekten geschildert; seine Charakterzeichnungen von Personen, nicht zuletzt von Frauen, sind zuweilen von erstaunlicher psychologischer Pr\u00e4zision und auch in europ\u00e4ischem Zusammenhang gesehen einzigartig.<\/p>\n<p>Quellen: Jeppe Aakj\u00e6r, Johannes N\u00f8rvig, S\u00f8ren Baggesen, Henrik Ljungberg u.a.m.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steen Steensen Blicher 1782 &#8211; 1848 Die Steen Steensen Blicher-Gesellschaft in D\u00e4nemark siehe Das Portr\u00e4t ist im 1845 von William [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-templates\/international.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-743","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/743","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=743"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/743\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1194,"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/743\/revisions\/1194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blicherselskabet.dk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}